Akzeptable Wahlbeteiligung trotz Corona

06.04.2020 | Gemeindemitglieder im Erzbistum haben neue Pfarrgemeinderäte gewählt

Freiburg. Unter vollkommen veränderten Bedingungen ist im Erzbistum Freiburg die Wahl der Pfarrgemeinderäte abgeschlossen worden. „Seit 50 Jahren werden Pfarrgemeinderäte gewählt – doch 2020 war vieles anders“, zieht die Vorsitzende des Diözesanrates, Martina Kastner, Resümee: „Zum ersten Mal gab es die Möglichkeit, die Stimme online abzugeben. Dann wurde aufgrund der Corona-Epidemie die Präsenzwahl zum ersten Mal abgesagt und der Wahltermin verschoben. Die diesjährige PGR-Wahl war für alle Beteiligten eine echte Herausforderung – und die se haben sie hervorragend gemeistert.“ Aufgrund der besonderen Bedingungen liegen noch nicht alle Wahlergebnisse vor. Anhand der eingegangenen Ergebnisse (172 von 224 Seelsorgeeinheiten) ist eine Wahlbeteiligung von rund 10 Prozent zu erwarten. Das Durchschnittsalter der Gewählten in den ausgezählten Stimmbezirken liegt bei knapp 52 Jahren. Die Geschlechterverteilung ist nahezu paritätisch; rund 56 Prozent wurden wiedergewählt, 44 Prozent sind neu im Pfarrgemeinderat vertreten.

Der Organisator der Pfarrgemeinderatswahl, Diözesanrats-Geschäftsführer Martin Müller, ist mit dem Verlauf der Wahl insgesamt sehr zufrieden: „Zuerst wurde die Online-Wahl mit Skepsis beäugt, doch die Handhabung war einfach und diese neue Möglichkeit wurde gut angenommen. Die Erzdiözese hat hier gute Pionierarbeit geleistet, und im Nachhinein war es eine glückliche Entscheidung gewesen, die Online-Wahl anzubieten.“ Die Pfarrgemeinderatswahl war ursprünglich auf den 22. März 2020 angesetzt worden. Die Möglichkeit, seine Stimme online abzugeben, gab es bereits ab dem 8. März 2020. Aufgrund der Corona-Epidemie wurden die Fristen für die Stimmabgabe dann verlängert: bis zum 3. April für die Online-Wahl und bis zum 5. April per Brief. Aus Gründen des Infektionsschutzes hatten die Wahlvorstände auch mehr Zeit bei der Stimmauszählung der Briefwahlscheine.


Erzbischof Burger: „Impuls und Chance, Gemeindeleben neu zu gestalten“

Erzbischof Stephan Burger dankte am Montag (6.4.) allen, die sich bei der Pfarrgemeinderatswahl 2020 engagiert hatten: „Mehr als 4.000 Kandidatinnen und Kandidaten hatten sich zur Wahl gestellt und dadurch zum Ausdruck gebracht, dass Ihnen die Zukunft ihrer Gemeinden am Herzen liegt. Mein besonderer Dank gilt allen Personen, die mit den besonderen Erschwernissen dennoch eine reguläre Wahl ermöglicht haben: Den Wahlvorständen und Wahlhelfern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Pfarrbüros und selbstverständlich den Wählerinnen und Wählern, die sich auch von Corona nicht haben davon abbringen lassen, den Kandidierenden ihr Vertrauen auszusprechen.“
 
Den gewählten Frauen und Männern spricht Erzbischof Burger Mut zu: „Die aktuelle Corona-Krise zeigt, dass die Menschen trotz aller Widrigkeiten interessiert sind am Leben in ihrer Gemeinde. Sie leben ihren Glauben mit vielen anderen – trotz der gerade erforderlichen räumlichen Trennung. Im Gebet sind wir geeint und merken, dass es um mehr geht, als nur um die gemeinsame Feier des Gottesdienstes, so wichtig, wertvoll und auf Dauer unerlässlich diese für unseren Glaubensvollzug ist. Ich spüre eine tiefe Verbundenheit aller Gläubigen, die gerade in diesen Zeiten Halt gibt. An vielen Orten gibt es neue Initiativen und Ideen. So können wir die Krise auch als Impuls und als Chance begreifen, das Gemeindeleben neu zu gestalten.“


Diözesanrat: „Eine spannende Zeit liegt vor uns“

Die geringe Wahlbeteiligung ist nach den Worten von Martina Kastner nicht nur auf die äußeren Umstände zurückzuführen. Kirche sei heute für viele etwas Fremdes geworden: „Der Missbrauchsskandal, Unregelmäßigkeiten bei Finanzen und weitere Krisen machen kirchliches Engagement nicht gerade attraktiv. Dazu kommt das Projekt ´Kirchenentwicklung 2030`, das für viele eine Unsicherheit darstellt. Es ist noch unklar, in welche Richtung sich das Leben vor Ort entwickeln wird. All diese Faktoren spielten bereits eine Rolle bei der Gewinnung von Kandidierenden, die sich mancherorts sehr schwierig darstellte.
Und dennoch: Die Kandidierenden haben sich bewusst für ein Engagement in der Kirche entschieden. Sie haben für die kommenden fünf Jahre ein Mandat der Wählerinnen und Wähler bekommen und damit die Verantwortung übernommen, Kirche vor Ort zu gestalten. Eine spannende Zeit liegt vor uns – für die anstehenden Veränderungen, aber auch in der ungewohnten aktuellen Situation. Die Kernfrage ist, ob wir alle zusammen zukunftsfähige Antworten auf die Herausforderungen der Zeit für die Kirche, aber auch, und dieser Blick ist nicht weniger wichtig, für die Gesellschaft finden.“


Zahlen und Fakten

In 224 Kirchengemeinden standen insgesamt mehr als 4.000 Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl. Interessant ist auch, dass mehr als 60 Personen gewählt worden sind, die gar nicht als Kandidierende auf dem jeweiligen Stimmzettel aufgeführt waren. Die Wahlbeteiligung lag mit rund 10 Prozent unter der Wahlbeteiligung der vergangenen PGR-Wahl 2015 (17,6 Prozent). Dabei hatten 105.563 Personen (6,76 Prozent aller Wahlberechtigten) online ihre Stimme abgegeben. Das Ergebnis der Briefwahl steht noch aus. Eine Präsenzwahl fand aus Gründen des Infektionsschutzes nicht statt. Wahlberechtigt waren insgesamt 1,56 Millionen Männer und Frauen ab 16 Jahren, wobei knapp zwei Drittel der Online-Wählerinnen und Wähler über 50 Jahre alt sind. Aktualisierte Zahlen gibt es unter http://www.pgr-wedding.de/mobil.php.
 
(ga)